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Sonntag, 29. April 2012
I'M WALKING...
Heute war es endlich wieder soweit: wir hatten eine Panne!
Der Bus ging mitten in der Fahrt aus. Und natürlich nicht wieder an. Schön bei 30 Grad im Schatten irgendwo in der Einsamkeit zwischen Ulcinj und der albanischen Grenze.
Eine sehr schöne, urtümliche Gegend, spärlich bewohnt. Für die Schönheit dieses Landstrichs hatten wir zugegebenermaßen in diesem Moment keinen Sinn, sondern eher für die Problemlösung. Wie gut, dass Jan jede Folge von „Auf Achse“ kennt und so diverse Ideen in petto hatte. Und richtig, die Tankanzeige funktioniert wohl doch nicht so verlässlich wie es wünschenswert wäre….
Somit musste Manfred zu Fuß und per Anhalter ins nächste Dorf, um Diesel zu besorgen. Aber kein Problem, die Montenegriner sind ja so etwas von nett (und Pannen gewohnt?), dass er nicht lange warten musste und auch ziemlich bald mit Kanistern beladen wieder zurückkam.
Aus irgendwelchen glücklichen Umständen konnten wir trotz unseres Standortes Internet empfangen und die Kinder waren mit Kinderfilmen via Youtube bestens bei Laune zu halten.


Tankfüllung

Wir haben schon Wetten abgeschlossen, was denn die nächste Panne sein wird (ich tippe ja auf platter Reifen). Und vor allem wo. Da Jan alle Szenen aus „Auf Achse“ nachstellen möchte, schwant mir aber Schlimmeres….
Eigentlich sollte es nach der Panne direkt nach Albanien gehen. Aber es kommt ja immer anders. Nach der Panne schnell zur nächsten Tankstelle und mal eben 75 Liter nachkippen… Man weiß ja nie, wann man hier mal wieder auf eine trifft. Der Tankwart erzählt etwas von 6 Kilometern bis Albanien, also nochmal eben eine kurze Stärkung vor dem Grenzübertritt. Kaum etwas in den Mund gesteckt, stoppte schon das erste Auto neben uns. „Habt ihr eine Panne“? „Nee, da kommst Du zu spät – die hatten wir schon…“ . Kein Problem für Bill – dann lädt er uns eben zu einem Kaffee ein. „Folgt einfach der Straße – so 20 Minuten. Ein super Ausblick!“. Er zeigt noch auf ein Haus oben auf dem Berg – und schon ist er weg. Machen wir und tatsächlich wartet er oben auf dem Berg an einer Gaststätte. Er ist Autohändler und importiert seit elf Jahren Autos aus Deutschland. Während unseres 30-minütigen Zusammenseins fahren auf der Passstraße 4 Autos vorbei …. und er wird von allen gegrüßt. Beim Grüßen erzählt er uns zu jedem Auto aus welcher Stadt er das importiert hat. Denn er hat sie alle importiert. „Den habe ich aus Mannheim“ etc. etc. Ein netter Typ!
Wir fragen Bill noch, wo wir hier übernachten können. „Fahrt ihr zwei Kilometer weiter, steht mein Haus. Könnt ihr stehen.“ Aber vorher sollen wir noch auf die Bergkuppe fahren, um den fantastischen Ausblick auf das Meer und den Skadar-See zu genießen. Machen wir doch – klar.
Dann sind wir oben. Wunderschön!!! Aber leider keine Wendemöglichkeit für Manfred. Also weiter und runter Richtung See (sieht auch zu verlockend aus…).
Ein Schild an der Straße wirbt für ein Restaurant mit Seeblick. Wir haben Hunger, folgen unseren Grundbedürfnissen und biegen ab…. 4km (gefühlt wie 10), engste Straße. Zwei Autos und ein Radlader kommen uns entgegen. Alle warnen uns vor der Weiterfahrt (nachdem sie jeweils ein paar hundert Meter rückwärts fahrend eine kleine Parkbucht zum Passieren gesucht haben). Aber es muss weitergehen – wir brauchen Essen! Irgendwie geht es – allerdings sind die Bäume nicht „in shape“ uns nun muss unser Bus die Äste stutzen (O-Ton Jan: der Lack muß eh neu gemacht werden).
Endlich angekommen – aber das Restaurant öffnet erst im Juli. Na toll! Aber schön ist es hier und so beschließen wir hier zu bleiben. Sorry Bill… aber Danke für die nette Einladung. Ohne Dich wären wir nicht hierher gekommen!
Nun ist draußen am Lagerfeuer Fische grillen angesagt, die wir den Fischern hier gegen etwas Wodka abgeschnackt haben.
Der Skadar-See ist (im Gegensatz zur nur wenige Kilometer entfernten Küste) überhaupt nicht touristisch erschlossen und das, obwohl er die Größe des Bodensees hat, beständigen Wind und nahezu immer strahlenden Sonnenschein. Es ist außer einzelnen Fischerbooten (also Ruderbooten) kein anderes Boot, Surfbrett oder sonstiges Wasserwahrzeug unterwegs.
Ein unentdecktes Paradies also!


Sonnenuntergang

Jedenfalls dachten wir, es wäre ein einsames Paradies. Späteren abends lauschig vor dem Bus sitzend und in romantischer Stimmung in den Sternenhimmel starrend wurden wir eines Besseren belehrt! Hier herrscht sehr wohl reger Boots- und Autoverkehr: in Form von Schmugglern!
Durch den See verläuft nämlich auch die Grenze zwischen Montenegro und Albanien.
Nichtsahnend Bier bzw. Wasser trinkend beobachten wir, wie ein unbeleuchteter Transporter auf uns zufährt, in 25 m Entfernung parkt und 2 dubiose Männer aussteigen. Kurz darauf ist auch schon ein Motorboot zu hören.
Wir entschieden mangels Alternativen, einfach am Feuer sitzen zu bleiben und den Herrschaften bei ihren Aktivitäten zu zu sehen (und ich persönlich beschloss auch noch, mich nicht zu regen und nicht an diverse Gangster-Filme zu denken, in denen Zeugen mit einer Schalldämpfer-Pistole kurzerhand eliminiert werden….).
Sehr engagiert wurde die Bootsladung in den Transporter verfrachtet und als alle nach einer ewigen Zeit fertig waren, fuhren sie (unbeleuchtet) die Serpentinen von dannen. Gottseidank ohne sich in irgendeiner Form an uns und unserer Aufmerksamkeit zu stören.
Boah, also heute reicht‘s mit der Action!



Mittwoch, 25. April 2012
RÖDEL, RÖDEL...
Gerade sind wir fertig mit dem permanenten Gerödel und somit abreisebereit aus Dubrovnik!
Wer schon einmal mit Wohnmobil oder Bus unterwegs war, weiß wohl, was wir mit Gerödel meinen. Puh, immer alles auf kleinstem Raum aus- und wieder einpacken. Es wäre ja alles nicht ganz so anstrengend, wenn man nicht 2 kleine Kinder dabei hätte und wenn mein Bauch nicht immer dicker werden würde. Aber allmählich sind wir Profis im Gerödel!

So, der Fahrer drängelt, das Wetter ist sonnig bei 19 Grad (und es soll noch wärmer werden die nächsten Tage :)) und der Reiseführer Montenegro liegt bereit. Es kann also losgehen!



Sonntag, 22. April 2012
Mostar
So, gelbe Sicherheitsweste ist angelegt. Und die Kugelsichere gleich mit!
Wir sind auf Stippvisite in Bosnien und Herzegowina. Allerdings ist die Einreise von EU-Bürgern doch mit einigen Schikanen und unfreundlichen Blicken seitens der Grenzbeamten verbunden…
Letztendlich nur knapp einer Buskontrolle entkommen, dürfen wir uns ins 30 km entfernte Mostar aufmachen. Der Reiseführer warnt nochmal eindringlich davor, sich wegen der Minengefahr nicht auf unbefestigten Wegen aufzuhalten (wie gut, dass wir unsere „Nougat-Box“ schon in Kroatien auf einem solchen Weg illegal geleert haben!).
Meine Konzentration gilt somit nunmehr den herumschreienden Kindern und der Ausschau nach etwaigen Heckenschützen. Wie dieses Bild von unserer Windschutzscheibe zeigt, empfiehlt sich dieses auch:


Frontscheibe mit Einschussloch

Nein, Spaß beiseite, Mostar hat sehr schöne Ecken und eine kleine, urige Innenstdt rund um die berühmte Brücke (deren Namen wir gerade in einem Restaurant sitzend nicht wissen, aber von der die Brückenspringer sich gegen ein touristisches Entgelt von 40 Euro 20 Meter tief fast in den Tod stürzen und das bei Eiseskälte ohne Neoprenanzug…).


Die Liebsten vor der besagten Brücke in Mostar

Der kurze Weg durch Bosnien und Herzegowina zeigt ein wunderschönes, wildes und naturbelassenes Land. Überall wird gewerkelt und an den Hauptstraßen entstehen viele neue Hotels. Der Tourismus scheint hier ordentlich in Gang zu kommen, auch wenn noch deutlich Unterschiede im Vergleich zum Tourismusgeschehen an der kroatischen Adriaküste zu sehen sind.
Allerdings sind wir doch überrascht, wie viele zerschossene und verfallene Gebäude das Stadtbild von Mostar säumen. In einigen Straßen ist jedes 2te Haus eine Ruine und an den übrigen kann man unschwer heftigen Beschuss erkennen. Grünanlagen oder kleine Parks sucht man hier in der Innenstadt vergeblich, anscheinend wurde alles, was ein wenig Ruhezohne versprach, in Friedhöfe umgewandelt… Wir sind sicher eine halbe Stunde durch die Stadt gefahren, auf der Suche nach einem Busparkplatz, aber gesehen haben wir tatsächlich nur grüne Friedhöfe. Dennoch kann man Mostar für einen Tagesausflug empfehlen, denn es gibt neben den besagten Ruinen und Friedhöfen Einiges zu entdecken!
Nachdem es hier nun das zweite Eis gibt und Jan (der Grillspezialitäten-Restauranttester) seinen Balkan-Teller mit einem „Hervorragend“ bewertet hat, geht es heute noch nach Dubrovnik zurück und spätestens übermorgen wagen wir den Weg nach Montenegro/ Albanien. Vielleicht auch nur schnell hindurch und einfach weiter nach Griechenland? Mal sehen, was dort auf uns so wartet!
Wir hoffen jedenfalls, dass wir in der kommenden Zeit mehr Möglichkeiten haben, ins Internet zu gelangen und Berichte abzugeben. Bisher ist es etwas mühsam, was aber vielleicht auch daran liegt, dass wir die letzten Tage nicht auf Campingplätzen, sondern auf Busparkplätzen übernachtet haben und alle herumschwirrenden Internetzugänge vor uns gesichert waren.