I'M WALKING...
Heute war es endlich wieder soweit: wir hatten eine Panne!
Der Bus ging mitten in der Fahrt aus. Und natürlich nicht wieder an. Schön bei 30 Grad im Schatten irgendwo in der Einsamkeit zwischen Ulcinj und der albanischen Grenze.
Eine sehr schöne, urtümliche Gegend, spärlich bewohnt. Für die Schönheit dieses Landstrichs hatten wir zugegebenermaßen in diesem Moment keinen Sinn, sondern eher für die Problemlösung. Wie gut, dass Jan jede Folge von „Auf Achse“ kennt und so diverse Ideen in petto hatte. Und richtig, die Tankanzeige funktioniert wohl doch nicht so verlässlich wie es wünschenswert wäre….
Somit musste Manfred zu Fuß und per Anhalter ins nächste Dorf, um Diesel zu besorgen. Aber kein Problem, die Montenegriner sind ja so etwas von nett (und Pannen gewohnt?), dass er nicht lange warten musste und auch ziemlich bald mit Kanistern beladen wieder zurückkam.
Aus irgendwelchen glücklichen Umständen konnten wir trotz unseres Standortes Internet empfangen und die Kinder waren mit Kinderfilmen via Youtube bestens bei Laune zu halten.

Tankfüllung
Wir haben schon Wetten abgeschlossen, was denn die nächste Panne sein wird (ich tippe ja auf platter Reifen). Und vor allem wo. Da Jan alle Szenen aus „Auf Achse“ nachstellen möchte, schwant mir aber Schlimmeres….
Eigentlich sollte es nach der Panne direkt nach Albanien gehen. Aber es kommt ja immer anders. Nach der Panne schnell zur nächsten Tankstelle und mal eben 75 Liter nachkippen… Man weiß ja nie, wann man hier mal wieder auf eine trifft. Der Tankwart erzählt etwas von 6 Kilometern bis Albanien, also nochmal eben eine kurze Stärkung vor dem Grenzübertritt. Kaum etwas in den Mund gesteckt, stoppte schon das erste Auto neben uns. „Habt ihr eine Panne“? „Nee, da kommst Du zu spät – die hatten wir schon…“ . Kein Problem für Bill – dann lädt er uns eben zu einem Kaffee ein. „Folgt einfach der Straße – so 20 Minuten. Ein super Ausblick!“. Er zeigt noch auf ein Haus oben auf dem Berg – und schon ist er weg. Machen wir und tatsächlich wartet er oben auf dem Berg an einer Gaststätte. Er ist Autohändler und importiert seit elf Jahren Autos aus Deutschland. Während unseres 30-minütigen Zusammenseins fahren auf der Passstraße 4 Autos vorbei …. und er wird von allen gegrüßt. Beim Grüßen erzählt er uns zu jedem Auto aus welcher Stadt er das importiert hat. Denn er hat sie alle importiert. „Den habe ich aus Mannheim“ etc. etc. Ein netter Typ!
Wir fragen Bill noch, wo wir hier übernachten können. „Fahrt ihr zwei Kilometer weiter, steht mein Haus. Könnt ihr stehen.“ Aber vorher sollen wir noch auf die Bergkuppe fahren, um den fantastischen Ausblick auf das Meer und den Skadar-See zu genießen. Machen wir doch – klar.
Dann sind wir oben. Wunderschön!!! Aber leider keine Wendemöglichkeit für Manfred. Also weiter und runter Richtung See (sieht auch zu verlockend aus…).
Ein Schild an der Straße wirbt für ein Restaurant mit Seeblick. Wir haben Hunger, folgen unseren Grundbedürfnissen und biegen ab…. 4km (gefühlt wie 10), engste Straße. Zwei Autos und ein Radlader kommen uns entgegen. Alle warnen uns vor der Weiterfahrt (nachdem sie jeweils ein paar hundert Meter rückwärts fahrend eine kleine Parkbucht zum Passieren gesucht haben). Aber es muss weitergehen – wir brauchen Essen! Irgendwie geht es – allerdings sind die Bäume nicht „in shape“ uns nun muss unser Bus die Äste stutzen (O-Ton Jan: der Lack muß eh neu gemacht werden).
Endlich angekommen – aber das Restaurant öffnet erst im Juli. Na toll! Aber schön ist es hier und so beschließen wir hier zu bleiben. Sorry Bill… aber Danke für die nette Einladung. Ohne Dich wären wir nicht hierher gekommen!
Nun ist draußen am Lagerfeuer Fische grillen angesagt, die wir den Fischern hier gegen etwas Wodka abgeschnackt haben.
Der Skadar-See ist (im Gegensatz zur nur wenige Kilometer entfernten Küste) überhaupt nicht touristisch erschlossen und das, obwohl er die Größe des Bodensees hat, beständigen Wind und nahezu immer strahlenden Sonnenschein. Es ist außer einzelnen Fischerbooten (also Ruderbooten) kein anderes Boot, Surfbrett oder sonstiges Wasserwahrzeug unterwegs.
Ein unentdecktes Paradies also!

Sonnenuntergang
Jedenfalls dachten wir, es wäre ein einsames Paradies. Späteren abends lauschig vor dem Bus sitzend und in romantischer Stimmung in den Sternenhimmel starrend wurden wir eines Besseren belehrt! Hier herrscht sehr wohl reger Boots- und Autoverkehr: in Form von Schmugglern!
Durch den See verläuft nämlich auch die Grenze zwischen Montenegro und Albanien.
Nichtsahnend Bier bzw. Wasser trinkend beobachten wir, wie ein unbeleuchteter Transporter auf uns zufährt, in 25 m Entfernung parkt und 2 dubiose Männer aussteigen. Kurz darauf ist auch schon ein Motorboot zu hören.
Wir entschieden mangels Alternativen, einfach am Feuer sitzen zu bleiben und den Herrschaften bei ihren Aktivitäten zu zu sehen (und ich persönlich beschloss auch noch, mich nicht zu regen und nicht an diverse Gangster-Filme zu denken, in denen Zeugen mit einer Schalldämpfer-Pistole kurzerhand eliminiert werden….).
Sehr engagiert wurde die Bootsladung in den Transporter verfrachtet und als alle nach einer ewigen Zeit fertig waren, fuhren sie (unbeleuchtet) die Serpentinen von dannen. Gottseidank ohne sich in irgendeiner Form an uns und unserer Aufmerksamkeit zu stören.
Boah, also heute reicht‘s mit der Action!